Gio Ponti - Ermes Ponti

Der Brief von Gabriella

Das Treffen mit Gio Ponti, einem berühmten Mailänder Designer und Architekt des vergangenen Jahrhunderts, erfolgte im Jahre 1967 auf beinahe zufällige Weise, als diese sich dazu entschloss, Gio Ponti, anlässlich eines Projekts von Qualitätsmöbeln, aufzusuchen, und von der Meinung abzukommen, dass man ausschließlich auf die Quantität setzen muss.

Alles ist dank der Neugier des Künstlers entstanden, geweckt durch den Brief von Gabriella, Ehefrau von Ermes Ponti, in welchem diese Gio Ponti darum bat, eine Zeichnung für das erste signierte Möbelstück der Firma zu realisieren.

Und so kam es, dass Design und hohe Kultur in unserer Firma zusammenkamen. Ponti antwortete sofort, von dem Brief beeindruckt, welche er dann in der von ihm herausgegebenen Einrichtungszeitschrift “Domus” publizierte. Er nahm die Aufgabe an, ein Schlafzimmer zu zeichnen, welches ebenfalls im Möbelsalon von Mailand zu sehen war, mit großem Erfolg, der es ermöglichte, unseren Kundenkreis weiter auszuweiten und unserer Firma mehr Sichtbarkeit und Glaubhaftigkeit verlieh.

Dieses Treffen hatte für uns eine fundamentale Bedeutung: dadurch war es uns möglich, die Wichtigkeit des Projektes, des Design , der Innovation zu verstehen, Als Ponti uns besuchte, verbrachte dieser die ganze Zeit in der Werkstatt: man fing bei seinem Projekt an, man diskutierte und man experimentierte gemeinsam. Eine wahrhafte Erfahrung wie zu Zeiten der Renaissance.

Die Serie Apta

Als Gio Ponti im Jahre 1969 in Turin das “Eurodomus 2” organisierte, eine Möbelschau, bat er uns um die Herstellung von Tischen. Natürlich waren hinterher alle sehr zufrieden, und so kam es, dass im darauf folgendem Jahr zum Anlass des “Manifesto della Casa Adatta” in Mailand dieser uns die Möbel der Serie Apta zeichnete, einer Einrichtungslösung von frei zusammensetzbaren Einrichtungen. Diese Möbel waren ein voller Erfolg und bekamen viel Interesse geschenkt, seitens der Presse und den Mitarbeitern, das Publikum war jedoch – wie erwartet- noch nicht bereit und offen für eine solche Neuheit.

Das Vermächtnis Ponti

Es kommt hin und wieder vor, dass wir auf diese Möbel angesprochen werden, für historische oder antologische Möbelausstellungen, wie die “Gio Ponti A World”, zuerst in London, dann in Rotterdam und anschließend auf der Triennale in Mailand (2002- 2003) oder der erst vor kurzem stattgefundenen “Domus apta. Gio Ponti und das Inneneirichtungsprojekt” im Politecnico von Mailand.

Mit Ponti haben wir ebenfalls für einige seiner privaten Kunden zusammengearbeitet, zur Realisation der Einrichtung der Kathedrale von Taranto, von ihm entworfen. Als diese dann in die Jahre kam, wurde aus der Zusammenarbeit eine wahre Freundschaft - was hunderte von Briefen der Ponti aus Mantova und der Ponti aus Mailand bezeugen -, die heute noch immer anhält, vor allem unter den Kindern Lisa und Giulio und den Enkeln Salvatore und Paolo.

Biografie

Gio Ponti wurde im Jahre 1891 in Mailand geboren, im Jahre 1921 machte dieser seinen Universitätsabschluss im Politecnico von Mailand, nachdem er das Studium aufgrund der Teilnahme am 1. Weltkrieg unterbrochen hatte.

Zwischen Keramik und Verlagswesen

In den 20er Jahren begann seine Aktivität als Designer in der Industrie der Keramikherstellung Richard Ginori, für welchen er komplett die Strategie des Industriedesigns neu erfand. Mit der Keramik gewann er den “Gran Prix” von Paris im Jahre 1925.

In denselben Jahren begann dieser auch mit der Aktivität des Verlagswesens, im Jahre 1928 rief er die Zeitschrift Domus ins Leben, welche er auch nicht mehr verließ, außer für eine kurze Zeit während des 2. Weltkrieges. Domus, zusammen mit der nicht weniger berühmten Zeitschrift “Stile” stand seit damals im Zentrum der kulturellen Diskussion der italienischen Architektur und Design.

Die Anerkennungen

Die Aktivität Ponti der 30er Jahren vergrößerte sich: er organisierte die 5. Triennale von Mailand im Jahre 1933, entwarf die Szenen und Kostüme für das Theater alla Scala und trat der Vereinigung des Industriellen Designs ADI bei.

Neben den zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen wurde er 1936 zum Universitätsprofessor ehrenhalber ernannt, an der Universität der Architektur des Politecnico von Mailand, diesen Titel behielt er bis zum Jahre 1961.

Der Architekt

In den 50er Jahren begann die Periode einer intensiveren Aktivität, die sowohl die Architektur als auch das Design betraf: in der Tat wurden in diesen Jahren einige seiner bedeutendsten Werke realisiert.

Der Wolkenkratzer Pirelli befindet sich unter diesen: im Jahre 1955 bis 1958 um eine zentrale Struktur herum konstruiert, die von dem Ingenieur Pierluigi Nervi entworfen wurde, erscheint dieses Gebäude wie ein schlankes und harmonisches Kristallband, welches sich in den Himmel erhebt. Diese Wolkenkratzer ist der größte aus Beton hergestellte Wolkenkratzer der Welt (127,10 m).

Das letzte große Werk von Gio Ponti geht auf das Jahr 1970 zurück, die Kathedrale von Taranto, bei der Gio Ponti als Erfinder, Koordinator der Bauarbeiten und Innendesigner fungierte.

Die letzten Jahre

Der volle berufliche Einsatz, der von der Kreativität dieses Künstlers zeugt und viele verschiedene Bereiche mit einschließt, dauerte das ganze Leben lang bis zu seinem Tod im Jahre 1979 in Mailand.